Einfluß der Schnürbrüste Über die Schädlichkeit der Zusammenfassung
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Schnürung von Jungen und Männern

Indessen habe ich beobachtet, daß schlechterdings alle Mannspersonen, die stark und anhaltend in ihrer Jugend geschnürt worden, ohnausbleiblich in dem reiferen Alter, bucklig wurden, oder nicht ohne eine hohe Schulter wegkamen, da hingegen doch zuweilen ein Frauenzimmer mit einer kleineren Krümmung des Rückgrades, die durch die Kleider schwerlich oder gar nicht zu erkennen ist, durchkommt. Die Ursache ist nach dem, was ich bloß in dieser Rücksicht so vollständig vorgetragen habe, ganz deutlich. Die weiblichen Rippen geben wegen ihrer Dünne, wenigeren Wölbung, schärferen Rändern, stärkeren Vortretens, mehreren Windung, vorzüglich wegen ihrer längeren, schwächeren Knorpel, größeren Schnellkraft, stärkeren stufenweisen Abnahme, leichteren Beweglichkeit, einer geringeren Kraft nach, als die männlichen Rippen. Die weiblichen Rückenwirbel gestatten leichter eine Veränderung des Brusthöhlenraumes, wegen des größeren Ausschweifung bei ihrer größeren Höhe, wegen des stärkeren Beugung ihrer Querfortsätze nach hinten, größeren Seitenöffnungen, das weiblich Brustbein gestattet gleichfalls leichter als das männliche, eine ansehnliche Veränderung des Brusthöhlenraumes, da es kürzer an Klinge und Spitze ist und höher liegt. Ferner ist die weibliche Brust im ganzen etwas faßartiger, auch rundlicher, länger, weniger mit der hinteren Reihe ihrer Spitzen vorspringend, der dreieckige Ausschnitt zwischen den Rippenknorpels ist spitzer, die ganze Höhle liegt höher über den Darmbeinen und ihr oberer Teil ist etwas geräumiger. Folglich widersetzt sie sich in etwas weniger einer sie umformenden Gewalt, als der männliche Torax, der fast bis auf die Darmbeine herunter durch lange, robuste, unbeugsamere Rippen, grobe, mit ihren stärkeren Spitzen vorspringende Wirbel und ein tiefer herunterragendes, mächtiges festeres Brustbein umschlossen, und für alle Gewalt einer Ausdehnung und Zusammenpressung sicherer ist, der auch nie im gewöhnlichen Lauf der Natur in den Zustand kommt, so ansehnlich als die weibliche Brusthöhle während der Schwangerschaft nachgeben zu müssen, um erweitert zu werden, und nach der Geburt des Kindes wider zusammen zu gehen.

In den Jahren 1760 bis 1770 ohngefähr war es in Berlin so, wie in Holland noch vor wenig Jahren, ziemlich Mode Schnürbrüste auch den Knaben anzulegen, die man jedoch so, wie zu Leipzig und anderen Orten bald zu verlassen anfing, als man gewahr wurde, daß ungeschnürte Kinder grade aufwachsen, diejenigen aber, die man aus Vorliebe mit dieser besonderen Sorgfalt zu behandeln suchte, wenn man diese Sorgfalt nur mit gehörigem Ernst ausübte einen Buckel (hohe Schulter) bekamen. Ich weiß Familien, wo aus vielen Knaben der schönste aus Vorliebe unter allen allein geschnürt, und dadurch auch allein buckelig wurde. Man suchte die Schuld in etwa unrecht angelegten Schnürbrüsten, bis man endlich in England zuerst deutlich einsah, daß kein Knabe mit einer Schnürbrust grade aufwuchs, Schwindsuchten, Brüche usw. die man ihnen nebenher dadurch zuzog abgerechnet.


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