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Kurt Ingerl und der Gipsabguß

Von unserem diesjährigen Sommerurlaub (2001) gibt es vieles Interessante zu berichten. Zunächst einmal fuhren wir ja kurz zu Michael an den Bodensee, um einige Dinge zu besprechen, die LGM betreffen. Das war sehr interessant, und wir hatten auch einiges an Ideen und an Neuem auszutauschen. Das Ergebnis ist im ersten LGM-Info zu sehen und zu lesen. Das ist die neue Mitgliederzeitschrift von LGM.

Nun, hier hielten wir uns aber nur ungefähr einen Tag lang auf und fuhren dann weiter nach Österreich. Das ist ein wunderschönes Land. Die hohen Berge haben uns sehr beeindruckt. Überhaupt ist die Landschaft dort sehr schön. Auch die Menschen sind sehr freundlich. Wir haben in Wien einige Österreicher ein wenig näher kennengelernt, und sie waren uns sehr sympathisch. In Österreich herrscht eine andere Lebensart als in Deutschland. Man arbeitet, um zu leben, wohingegen man in Deutschland eher lebt, um zu arbeiten. Durch diese Einstellung in Österreich geht es dort etwas gemütlicher zu. Die meisten Menschen sind nicht so gehetzt wie die Deutschen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß es den Österreichern auch gesundheitlich besser geht als den Deutschen, zumindest was Streßsymptome und daraus resultierende Krankheiten oder Beschwerden anbelangt. Aber, um bei der Sache zu bleiben, es ist ja so, daß diese etwas gemütlichere Lebenseinstellung um so stärker wird, je mehr man in südliche Gefilde vordringt. In Österreich ist es nun so, daß man zwar einen Unterschied bemerkt, aber der ist noch lange nicht so stark wie der Unterschied zwischen Deutschland und beispielsweise Spanien.

In Wien trafen wir Kurt Ingerl, den Bildhauer, der eine Gipsskulptur von mir anfertigt. Wir sahen uns zum ersten Mal auf der Eröffnung einer Ausstellung. Es war keine Ausstellung von Werken Kurt Ingerls, die Werke stammten von einem anderen Künstler. Aber Kurt Ingerl hielt eine Rede zur Eröffnung. Nun, dort trafen wir ihn also und vereinbarten einen Termin, zu dem wir den Abguß machen wollten. Sonntags darauf war es dann so weit. Wir fanden uns in Kurt Ingerls Atelier in Wiener Neustadt ein. Er hatte seinen ehemaligen Schüler und jetzigen Kollegen Walter Kölbl zur ''Geburtshilfe'', wie er das Abgießen nennt, gewonnen.

Ich wollte nicht ohne Kleidung abgegossen werden (d.h. mit nichts anderem als dem Korsett). Deshalb hatten wir uns darauf geeinigt, daß ich für den Abguß einen Stretchschlauch anziehen würde. Leider hatte Walter Kölbl ebendiesen in Wien vergessen. Er mußte also noch einmal zurückfahren und den Stretchschlauch holen. In dieser Zeit zeigte uns Kurt Ingerl Bilder von anderen Abgüssen und Photos von Ethel Granger, die er einmal besuchte, nachdem ihr Mann schon gestorben war. Das war sehr interessant. Kurt Ingerl besitzt auch viele Bilder, die Piercings und andere extreme Dinge zeigen, die wir aber nicht möögen, sondern abstoßend finden. Das wird uns immer mehr klar, je mehr wir solche Dinge sehen. Wir möchten damit nichts zu tun haben.

Nach einiger Zeit kehrte Walter Kölbl mit dem Stretchschlauch zurück und wir konnten mit der Arbeit beginnen. Für mich war es nicht im üblichen Sinne Arbeit, es war eher meine Aufgabe, still liegenzubleiben und mich möglichst nicht zu bewegen. Zuerst wurde der Arbeitstisch vorbereitet, d.h. mit einer Folie überzogen und mit einem Kissen für meinen Kopf versehen. In der Zeit zog ich mir mit Hilfe meines Freundes den Stretchschlauch an. Dann legte ich mich rücklings auf den Tisch. Mir war kalt. Die Bildhauer begannen nun, Polster aus Zellstoff halb unter meinen Körper zu schieben. Die Polster sollten verhindern, daß der Gips mich zu weit umschloß und nachher nicht mehr abzuheben war. Nachdem ich also genügend gepolstert war, wurde Gips angerührt. Ich mußte immer an die Decke schauen. Alles, was ich davon mitbekam, war das Plätschern der Gipsmasse in der Schüssel. Dann merkte ich, wie sie anfingen, Gips über meine Beine zu werfen. Sie nahmen immer eine Handvoll und verteilten so den Gips gleichmäßig über meinen ganzen Körper (bis auf den Kopf natürlich). Die Gipsmasse war angenehm warm, und je länger sie mich umschloß, desto wärmer wurde mir. Das empfand ich als sehr angenehm, denn vorher war mir kalt gewesen.

Das Stillhalten fiel mir auch nicht besonders schwer, denn ich wußte ja, daß ich bald aus diesem Käfig aus Gips befreit werden würde. Was etwas unangenehm war, war das Atmen. Je fester der Gips wurde, desto mehr schränkte er das Atmen ein. Das ging jedoch nur zu einem gewissen Punkt. Irgendwann spürte ich, wie der Gips sich von meinem Brustkorb löste und es mir so ermöglichte, normal ruhig zu atmen. Ich konnte nicht tief luftholen, aber das war auch nicht nötig.

Nachdem der Gips auf meinem Körper verteilt war, wurden Metallstangen zur Festigung des Gipses daraufgelegt und erneut mit Gipsbinden befestigt. Dann warteten wir zehn Minuten, bevor der Gipspanzer von mir abgelöst wurde. Das ging eigentlich recht problemlos vonstatten. Ein Zeh hatte sich bewegt, als der Gips noch feucht war, was zur Folge hatte, daß er nun verklemmt war. Da mußten wir ein Stückchen Gips abbrechen. Aber das war nicht so schlimm. Die Gipshülle ging relativ leicht ab. Kurt Ingerl meinte beim Betrachten seines Werkes, daß es gut gelungen sei. Er glaube, daß es eine schöne Skulptur werde.

Wir wollten noch eine Gipsform machen, diesmal von der anderen Seite, also von hinten. Wir machten also eine kurze Pause. Kurt meinte, daß es Tradition geworden sei, in dieser Pause miteinander anzustoßen, holte eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank und besorgte vier Gläser. Wir stießen also auf das gute Gelingen der Skulpturen an.

Dann ging es weiter, auf zum zweiten Abguß.Es klappte genauso gut wie beim ersten Mal. Nur am Schluß, beim Abheben der Gipshülle, mußte ich einige Haare opfern, die sich selbständig gemacht hatten und in den Gips geraten waren.

Nun war es Zeit, zu duschen. Das Korsett war durch den Strech-Stoff hindurch etwas feucht geworden. Deshalb konnte ich es nach dem Duschen nicht mehr anziehen. Das war zwar schade, aber notwendig. Es galt auch, das Korsett so schnell wie möglich zu trocknen, denn sonst könnten die eingenähten Stäbe und Stangen womöglich rosten. Deshalb trockneten wir das wertvolle Stück mit einem Fön, sobald wir zu Hause waren. Zuerst aber lud uns Kurt Ingerl noch zu einem Mittagessen ein, oder sollte ich es lieber Abendessen nennen? Es war schon spät geworden. Wir hatten ja wegen des Strechschlauchs mit einer Stunde Verspätung angefangen, und das Abgießen hatte auch seine Zeit gedauert, so daß es nun schon vier Uhr nachmittags war. Zudem hatte ich an dem Tag noch nichts gegessen, denn Christa Cebis hatte mir das geraten. Das sei besser, wenn ich mich unter dem Gips nicht unwohl fühlen wollte. Das war, denke ich, auch ein guter Rat, denn der Gips hatte schon einengende Wirkung. Jedenfalls gingen wir nach dem Abguß noch in Wiener Neustadt essen, wobei Kurt Ingerl uns noch mehr Bilder zeigte und auch Ausschnitte aus Magazinen, von denen er sehr viele besitzt. Manches war sehr interessant, aber diese Magazine sind oft voll von ungewöhnlichen Praktiken wie Piercings, Bondage, etc., von denen wir uns ausdrücklich distanzieren wollen.

Leider ist Kurt Ingerl auch schon von uns gegangen.


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