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Alltagsmode im 19. Jahrhundert

Quelle unbekannt

Nach dem Wegfall der Kleiderordnungen und dem gleichzeitigen Durchsetzen einer gesünderen, bequemeren Bekleidung zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewann die Mode bürgerlichen Zuschnitts einen zunehmenden Einfluß auf die Kleidung eines weit größeren Teils der Bevölkerung als vordem. Während sich aber die Männermode nach 1789 eher revolutionär gab, verblieb die Frauenmode das ganze Jahrhundert hindurch bei historischen Formen, die es darauf anlegten, die ''andere'' Welt der Frau von der Arbeitswelt des Mannes abzugrenzen.

Dieses Bestreben fand am Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt, als sich nämlich jene biedermeierliche Mode durchgesetzt hatte, die weitgehend dem Zeitbild der biederen Hausfrau entsprach und den Körper in viel Stoff hüllte. Dieser neue Schnitt der Kleider zeigte sich hochgeschlossen - nur zu abendlichen Festlichkeiten war ein Dekolleté erlaubt - mit schmaler, durch ein Korsett geschnürter Wespentaille. Ein Vielerlei an Zubehör und die insgesamt eingeschränkte Freiheit der Körperbewegung standen in krassem Gegensatz zu jener bewußten Einfachheit der Frauenkleidung, die sich in den Jahrzehnten um die französische Revolution angebahnt und recht schnell durchgesetzt hatte.

Die Männerkleidung erfuhr in ihren wesentlichen Bestandteilen im Verlauf des 19. Jahrhunderts keine grundlegenden Wandlungen mehr. Ganz anders die Frauenkleidung, die sich noch in der zweiten Jahrhunderthälfte historisierenden Formen verschrieben hatte, damit weiterhin aufwendig, unbequem und äußerst auffällig blieb. Ausschweifende Röcke bis zu 12 Meter Weite, aus luxuriösem und teurem Material, dazu ein umfangreiches Beiwerk, wie Rüschen, Spitzen, Volants u.a., erlaubten es wieder Reichtum zu zeigen. Diese stoffreichen Röcke wurden von der Krinoline gestützt, die schon die Reifröcke des Rokoko betonen half; nur waren jetzt Roßhaar und Fischbeinstäbe durch Stahlgestelle ersetzt worden, für deren Herstellung pro Krinoline durchschnittlich etwa 90 Ellen Draht verarbeitet wurden.

Aber nicht nur die Rockweite wurde künstlich geformt. Zur Silhouette der Frau gehörte nun auch die Betonung der Taille durch Schnürleibchen oder Korsett, dessen schädliche Wirkungen auf den weiblichen Körper eine weitreichende Verteufelungskampagne durch Ärzte und Reformer auslösten. Nach dem Stand der medizinischen Forschung um 1900 nannten Mediziner etwa 20 Krankheiten als Folgen des Korsetttragens, unter ihnen Beeinträchtigung der Verdauungsorgane, des Unterleibs, Muskelschwund, Rückenschmerzen bis zu Schwindsucht und Atemnot. Schon in der Kindheit mußten die Mädchen für die spätere Wespentaille sorgen. Ein Dresdener Arzt plädierte dafür, daß das Korsett ''wenigstens beim Turnunterricht'' verboten sein müßte, und die Lehrerinnen bei der Einführung einer vernünftigen Kleidung selbst Vorbild zu sein hätten. Nicht zuletzt die Karikaturisten nahmen den Kampf gegen das unnatürliche Einzwängen des Körpers auf.

Doch zum hübschen Ankleiden - wollte man nicht auffallen - gehörte eben die eng geschnürte Taille, und wenn es nur an wenigen Tagen des Jahres war, wie mitunter bei Arbeiterinnen. Denn das Korsettkleid blieb auch nach dem Zurückgehen der Krinolinenmode (nach 1870/71) in Mode. Mit ihrer Kleidung hatten die Damen den Besitzstand ihres Mannes und zudem ihr Einverständnis mit der Rolle anzuzeigen, die ihnen die Klassengesellschaft schon seit Generationen zuschrieb, nämlich Objekte männlicher Sexualbedürfnisse und als Mütter für die Fortpflanzung der Familie verantwortlich zu sein. Diesem Zwecke diente denn auch das Korsett, indem es, wenn es nur fest genug geschnürt war, seine Trägerin daran hinderte, jegliche Art von körperlicher Arbeit zu verrichten.


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