Leseranfrage aus einer deutschen Briefe Ein Brief an H. Y. von S.
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Leseranfrage aus einer Modezeitschrift aus dem Jahre 1911

Quelle unbekannt

Frage: Ich stamme von einem großen Gute und habe mich um die Mode bisher nicht viel kümmern können. Jetzt habe ich in die Stadt geheiratet. Da wir hier in bester Gesellschaft verkehren, muß ich mich mit meiner Kleidung entsprechend einrichten. Mit der Mode hier komme Ich einfach nicht zurecht. Ich habe meine Kleider in den besten Geschäften gekauft, es macht mir aber Mühe, in den engen Röcken zu gehen. Immer habe ich das Gefühl, daß sich die Leute über mich mokieren weil ich so ungeschickt bin und so große Schritte mache.

Ich glaube auch, daß die Korsetts aus meiner Aussteuer für die jetzige Mode nicht geeignet sind, ich bin normal groß, schlank und von der Natur nicht benachteiligt. Trotzdem gelingt es mir nicht, einen Busen wie die anderen Damen zu haben, mit welchen ich verkehre. Bitte raten Sie mir was ich tun kann, um in Zukunft nicht mehr aufzufallen.

Antwort: Wenn Sie vom Lande kommen, so bedeutet es für Sie eine große Umstellung auf allen Gebieten, um sich in der Stadt einzuleben. Das gilt natürlich in besonderem Maße auch für die modische Kleidung.

Da Sie, wie Sie sagen, Ihre Garderobe in ersten Häusern gekauft haben und sich offenbar nicht ganz glücklich in ihr fühlen, so kann das nur daran liegen, daß Ihre Unterkleidung nicht der Mode mit den engen Röcken entspricht. Diese Mode verlangt einen völligen Wandel auch dessen, was man nicht sieht. Abgesehen davon, daß Sie höchstens zwei, besser nur noch einen Unterrock tragen sollten, müssen Sie sich als erstes ein geeignetes Korsett arbeiten lassen. Wenn Sie vom Land her gewöhnt sind große Schritte zu machen - was, nebenbei bemerkt, für eine Dame der Gesellschaft unter allen Umständen unschicklich ist - so empfehlen wir Ihnen ein langes Korsett zu tragen, das wenigstens den halben Oberschenkel noch einschließt und am unteren Rand ziemlich eng gehalten ist. Damit werden Sie sich sehr schnell daran gewöhnen, kleine Schritte zu machen, was allein schon Ihr Äußeres günstig beeinflussen wird. Darüber hinaus können Sie ein Übriges tun, indem Sie in den Unterrock, den Sie direkt über dem Korsett tragen, in Kniehöhe ein festes Leinenband einziehen, das Sie der Oberrockweite entsprechend binden. Dadurch wird ebenfalls verhindert, daß Sie zu große Schritte machen und womöglich den Rock zerreißen.

Wenn Sie bei normaler Konstitution mit Ihrer Büste nicht zufrieden sind, so kann das nur daran liegen, daß Sie die Korsettschnürung falsch betätigen. Bei den z.Z. modischen langen Korsetts werden die Schnüre so eingefädelt, daß sowohl in der Taille, als auch in der unteren und oberen Hälfte geschnürt werden kann. Somit können Taille und Büste genau nach Wunsch reguliert werden.

Wenn Sie das Korsett zugehakt haben, so muß bei der heutigen Mode zuerst die Hüfte fest eingeschnürt werden. Darauf wird die Taille auf das Maß Ihrer Oberkleidung eingestellt. Zum Schluß erst wird die Büste geschnürt, die sich dann von selbst hebt. Bei dieser Handhabung wird der von Ihnen beklagte Mangel sich bestimmt nicht mehr einstellen. Es sei hier noch darauf hingewiesen, daß Sie, um eine einwandfreie Figur zu erzielen, sich das Korsett nie selbst schnüren sollten, sondern sich dazu immer fremder Hilfe bedienen. Wer sich das Korsett selbst schnürt, macht unwillkürlich einen krummen Rücken. Dabei wird die Brust nicht genügend angehoben, sondern im Korsett eingepreßt.


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