Unterschiede zwischen weiblichem Über die Schädlichkeit der Schnürung von Jungen und
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Einfluß der Schnürbrüste auf den Wuchs des weiblichen Körpers

Alle Schnürbrüste haben im allgemeinen die Form eines, mit der Spitze nach unten gekehrten, abgestutzten, sehr regelmäßigen, genau symmetrischen Kegels, der aber doch nach hinten und unten zu gleichsam einen Ansatz oder eine Erweiterung bekommt. Sie sind bald aus breiteren, bald aus schmäleren Streifen, die der Länge nach von oben herunter liegen, zusammengeheftet. Meist ist das vordere dreieckige, nach außen zu erhabene, inwendig ausgehöhlte Stücke, das breiteste und festeste, doch ist es oft an Länge und Breite verschieden, alsdenn ist sie nach hinten zu offen und wird auch nach hinten zu zusammengeschnürt, so daß gewöhnlich hinterwärts zwei der stärksten, breitesten und längsten Streifen, die auch tiefer hinten herunter gehen, genau an einander zu liegen kommen. Dieses Mittelstück paßt bisweilen in die regelmäßige Kegelform, meist aber läuft es vorne am Bauche viel tiefer herunter, ist auch wohl hier zuweilen ein wenig heraufgebogen.

Bisweilen ist die Schnürbrust umgekehrt nach vorne zu so offen, daß ein mittleres dreieckiges, längeres Stück vorne einpaßet und durch die Zuschnürung den Kegel nach vorne zu erst völlig schließet. Dieser Kegel ist bisweilen länger, bisweilen kürzer und nach oben zu an seiner Grundfläche für die Arme, so wie nach unten zu für die Hüften förmlich ausgeschnitten, dieser Kegel läuft bisweilen seitwärts von den Armen bis in die Gegend des Anfangs der Hüften herunter, ja ich habe die Mode gesehen, wo Schnürbrüste die Hüften selbst mit einschlossen.

Die Streifen, woraus dieser Kegel zusammengenähet ist, sind bald von festerer, härterer Materie, bald etwas weicher, gemeiniglich mehr oder minder dickeres Fischbein, Rohr oder ehemals Eisen, bisweilen sind vorne, bisweilen hinterwärts ein oder mehrere stählerne Stäbe eingepaßt, bisweilen besteht die Schnürbrust bloß aus einer Art von überzogenem Hutfilz. Ich müßte eine ganz eigene Abhandlung bloß über die Form und den Stoff der Schnürbrüste schreiben, wenn ich nur alle die Verschiedenheiten angeben wollte, die ich erlebt habe. Ich habe einige so fest und hart und unbiegsam gesehen, daß ich glaube, durch eine gewaltsame Zusammenschnürung würden eher die Rippen zerbrechen, als dieser Küraß seine Form ändern.

Alle Schnürbrüste (Korsetts) umfassen im allgemeinen nicht nur den ganzen unteren Teil, sondern auch ein ansehnliches Stück vom oberen Teil der Brusthöhle, so da sie die Schulterblätter zugleich mit aufnehmen. Die Absicht der Damen, bei der Anlegung oder Empfehlung einer Schnürbrust, ist wohl keine andere, wenigstens bei denjenigen, die über die Absicht einer Mode und die vorteilhafteste Erreichung derselben nachzudenken pflegen, als den Leib unter den Brüsten so schlank und den oberen Teil so breit als möglich zu machen, und zugleich die Schultern mehr nach hinten zu bringen, weil man überzeugt zu sein glaubt, daß eine hierdurch verbesserte (abgeänderte) Form mehr gefalle. Daher geschieht bei der Anlegung die Zusammenschnürung von unten herauf, weil man sonst seinem Zwecke entgegen handelte. Daß man auch seinen Zweck in Abänderung der Form erreicht, ist bekannt.

Überlegen wir aber als Kenner des menschlichen Körperbaus kaltblütig, ohne Vorurteil, was hierbei gesehen soll, und auch geschieht, so finden wir, daß die Schnürbrüste just die umgekehrte Form der Brusthöhle geben sollen, die ihr die Natur gab. Wir haben gesehen, daß die Brusthöhle eine, mit der Spitze nach oben gerichtete Kegelform hatte, alle Schnürbrüste grade die entgegengesetzte, eine mit der Spitze nach unten gerichtete Kegelform haben. Wir haben gesehen, daß die Rippen zwar schräge, doch im ganzen der Quere nach liegen, die Rippen der Schnürbrust (es sei mir erlaubt die Stücke oder Streifen, woraus sie zusammengesetzt ist, so zu nennen), aber laufen den vorigen durchkreuzend im ganzen schräg der Länge nach, folglich ist die Lage der künstlichen Rippen der Lage der natürlichen grade entgegengesetzt. Was muß also mit der Brusthöhle vorgehen, wenn sie diese Abänderung in der Form erleidet? Da die Brusthöhle aus zwar elastischen, doch immer zu harten Knochen und Knorpeln besteht, als daß sie sich wie ein Teig oder irgend eine weiche Materie umformen ließe, so müssen entweder

  1. die Rippen oder
  2. die Wirbelsäule oder
  3. das Brustbein mit seinen Knorpeln, als die Teile, die einzig die Hauptstütze der Form sind, nachgeben und verschoben werden.
Bei Anlegung also einer Schnürbrust, wenn sie im geringsten Grade auf die Brusthöhle wirkt, werden erst die weichen Teile unter der Brusthöhle zusammengezogen, und die im Unterleib enthaltenen Eingeweide in den sehr beweglichen unteren Teil der Brusthöhle heraufgeschoben (denn die Zusammenschnürung geht von unten aufwärts). Diese würde ausgedehnt bleiben, wenn nicht die fortgehende Zusammenschnürung die Eingeweide allmählich noch höher hinauftriebe.

Nun werden die sehr beweglichen falschen Rippen nicht nur gegeneinander hinauf und dichte zusammengeschoben, und der Raum zwischen ihnen viel kleiner, sondern auch so zusammengedrückt, daß hierdurch die rechten den linken nicht nur mit ihrem vorderen Enden näher gebracht, sondern auch jede Rippe für sich, (die letzte wegen ihrer Kürze bisweilen ausgenommen) genötigt wird, ihr Brustende dem Wirbelende, soviel es ohne Schmerz gehen will, zu nähern. Hierbei muß die Neigung der falschen Rippen aber im ganzen noch mehr abwärts und ihre Knorpel noch stärker gekrümmt werden. Die Rippenknorpel geben hierbei am willigsten nach, und die Rippenknochen ebenfalls, wegen ihrer Schnellkraft, aber doch ohne alles Verhältnis viel weniger.

Ich hebe den ganzen Körper eines ausgewachsenen Mädchens auf, wo die Haut unter der Spitze des Brustbeins, oder die den dreieckigen Ausschnitt zwischen den Rippenknorpels ausfüllt, eine tiefe und lange Falte von oben nach unten zu bildet, die durchs Schnüren verursacht worden ist. Geht die Zusammenschnürung weiter, so werden nun auch allmählich die wahren Rippen, die sich durch die Hinauftreibung der Eingeweide voneinander begeben hatten, ebenfalls

  1. gegeneinander hinaufgeschoben, denn auch hier geschieht die Zusammenschiebung durch die kleinste Kraft, die im natürlichen Zustande, wie bekannt, hier noch immer leicht genug von selbst erfolgt,
  2. die rechten den linken näher gebracht wozu schon größere Kräfte nötig sind,
  3. das Brustbein steigt nun mit seinen Knorpeln in die Höhe, und sein unterer Rand wird auch wohl gegen die Wirbelsäule hingedrückt, ja das Brustbein selbst wird schief, und seine Klinge rechts oder links gebogen,
  4. endlich, wenn sich die Kraft hinlänglich bei der Zusammenschnürung verstärkt, wird auch jede wahre Rippe für sich genötigt, ihr Brustende dem Wirbelende näher zu bringen, und so auch von vorne nach hinten zu die Brusthöhle zu verengen.
Ich sage, das Brustende der Rippen nähere sich dem Wirbelende, nicht umgekehrt, weil wir sahen
  1. daß die Rippen vorwärts wieder schwächer, flacher werden,
  2. daß sie hinterwärts fest ansitzen,
  3. daß das vordere Ende mit einem längeren Bogen nach vorne und unten zu läuft, und daß in dieser Bogenform der Grund ihrer Schnellkraft liege,
  4. endlich, weil das vordere Ende der Rippe nur unter der Haut liegt, da hingegen nach hinten zu ein drückender Körper die Rippe bloß auf der Höhe ihres sehr krummen Bogens, wo sie ohnehin fast am stärksten ist, berühren kann.
Die Wirbelsäule, die nach vorne gebogen ist, wird durch die Schnürbrust grader, folglich auch dadurch die Brust enger. Während dieses mit den Rippen vorgeht, werden die Wirbelbeine vorne an ihren Knorpelscheiben auseinandergehalten, und ihre spitzen Fortsätze mit der Zeit noch absteigender näher übereinanderliegend, und weichen aus ihrer graden Richtung. Nach oben zu ist die Brusthöhle wieder natürlich enger, daher die fünfte oder vierte Rippe nicht ferner unmittelbar durch den Druck der Schnürbrust leidet, sondern in dieser Gegend gemeiniglich vom Körper rings um mehr oder weniger absteht.

Bei den freibleibenden oberen Rippen geschieht daher gewissermaßen das Gegenteil, die Rippen werden durch die, gegen sie getriebenen Eingeweide, auseinandergedrückt, ihre Zwischenräume größer, die rechten entfernen sich etwas von den linken, und ihre Brustenden werden von den Wirbelenden abstehender. In diesen freibleibenden Raum werden die Brüste mit ihrem Fett hinaufgeschoben, daher solche Kinder alsdenn stärkere Brüste zu haben scheinen. Indessen leidet doch oft irgend ein oder anderes Knötchen der Brustdrüse, besonders an ihrem unteren Rande durch den Druck des oberen Teils der Schnürbrust oder des sogenannten Blanchetts.

Durch diese gewaltsame Zusammendrückung der ganzen Brusthöhle, wird die Wirbelsäule etwas auseinandergehalten, die Schnürbrust ruht auf den Hüften, und auf der Schnürbrust ruhen die Rippen. Folglich läßt sich hieraus ohne alle Schwierigkeit erklären, warum geschnürte Personen größer scheinen, den Trugschluß abgerechnet, daß eine dünner gewordene Person höher aussieht. Durch die Schnürbrust wird nämlich die Last des oberen Teils des Körpers unterstützt, daher ihr Druck auf die Knorpelscheiben zwischen den Rippen gemindert, und folglich die Säule in ihrer Höhe länger erhalten, als sie ohne eine solche Stütze bleiben würde. Allein wenn man eine durchbrochene Schnürbrust um einen frischen, durch Muskeln noch zusammenhängenden Torso eines Kindes von 10 bis 12 Jahren, noch mehr einer ausgewachsenen Person von 18 bis 20 Jahren legt, wird man gewahr, daß es fast nicht möglich ist, sie so anzulegen, daß sich nicht entweder

  1. hin und wieder die Rippen auf der einen Seite mehr zusammen begeben, als auf der anderen, oder
  2. sich unter und über einander auf einer Seite verschieben, oder
  3. daß sich nicht der ganze Rückgrad (die Wirbelsäule, die gewöhnlich in grader Linie aufgetürmt ist) in einen Bug entweder rechts oder links begeben sollte, oder
  4. was das gemeinste ist, wenn sonst alles noch so ziemlich geht, daß sich nicht der obere Teil von einer der Brusthälften ganz deutlich höher als der andere erhebt und eine sogenannte hohe Schulter verursacht.
Geschieht dieses nun, wo wir die einzelnen Teile vor Augen haben, folglich einen durchs Schnüren sich ergebenden Fehler leicht abändern könnten, (wenn er sich ändern ließe) was geschieht nicht, wo alles durch Fleisch und Haut verborgen ist, und kleine anfangende Verschiebungen unsichtbar werden. Was geschieht ferner nicht im inneren an den Eingeweiden, die diese Höhle einschließt? Sie müssen sich mit der Form ihrer Höhle abändern, da sie der Abänderung der Höhle nicht widerstehen können. Man wird eine schon beträchtliche, aber nur am entblößten Knochengebäude sehr sichtliche Verunstaltung, die gar leicht zunimmt, erst zu spät durch die Bedeckungen gewahr.

Viele bemerken eine sogenannte hohe Schulter noch nicht einmal dann, wenn es ihnen auch der Kenner, der sie sogar durch die Kleider entdeckte, schon gesagt und gezeigt hat, sondern warten, wie mir dies widerfahren ist, bis dies ihren, aber auch zugleich den Augen der ganzen Welt unwidersprechlich wird. Alles dieses aber wird nun um so viel leichter und in desto höherem Grade erfolgen müssen, da wir

  1. fast nie eine völlig symmetrische Brusthöhle, sondern meist die rechte Brusthöhlenhälfte beträchtlich anders, als die linke, sowohl überhaupt als in einzelnen Teilen finden,
  2. weil die Schnürbrüste jungen Personen angelegt werden, wo die Knochen noch nicht völlig ausgebildet sind, sondern bei einem Druck ausweichen oder nachgeben, die Schnürbrust hingegen
  3. eine genau symmetrische Kegelform ist, die
  4. nicht nachgibt.
Um sich also in diese der natürlichen grade entgegengesetzten Kegelform des Schnürleibs zu schmiegen, gibt diejenige Brusthälfte am meisten nach, die die schwächste ist, und treibt folglich in die andere stärkere, kräftiger widerstehende Hälfte, die Eingeweide, die gegen sie getrieben werden, hinüber und macht, daß diese Hälfte endlich durch den anhaltenden Druck sich ausdehnen lassen muß. Diese Ausdehnung geschieht gewöhnlich auf der einen Seite nach hinten und oben, weil die Rippen hier schon ihren stärksten natürlichen Bug haben. Nimmt diese Ausdehnung der einen Brusthöhlenhälfte in einen Buckel zu, so treibt sie das auf ihr liegende Schulterblatt vor sich her, hebt den über ihr hängenden Arm im Winkel in die Höhe, und verursacht die sogenannte hohe Schulter.

Wir haben gesehen, wie die doch von der Natur selbst zugemessene Last des Körpers schon bei den mehreren ruhen auf dem einen als dem andern Fuß, die eine Brusthälfte verengt, die andere erweitert, wie viel mehr muß dieses nicht bei einem so kräftigen Druck, als die Schnürbrust äußert, geschehen? Zum Beispiel, wenn im Durchschnitt alle rechte wahre und falsche Rippen länger und zugleich stärker sind, so ist natürlich der Druck einer vollkommen gleich grade und gut angelegten Schnürbrust auf die linke Brusthälfte weit wirksamer als auf die rechte Hälfte, muß also auch die linke Hälfte ansehnlicher verengen. Sind aber zwei aufeinander folgende Rippen länger und stärker, als die zwei gleichnamigen der anderen Seite, die darauf folgenden hingegen wieder schwächer, als auf der anderen Seite, so muß notwendig bei gleichen Druck von beiden Hälften der Schnürbrust auf die beiden Hälften der Brusthöhle, eine Verunstaltung in der regelmäßigen Zusammenfügung der Rippen und Brusthöhle auf beiden Seiten erfolgen. Da gewöhnlich die falschen Rippen auf einer Seite beträchtlich kürzer als auf der anderen sind, so wir bei gleichem Druck auf die ganze Brusthöhle die hohe Schulter auf der entgegengesetzten Seite (wo die Rippen länger sind), entstehen müssen. Auch die auf einer Seite nur, breitere, durchlöcherte oder gespaltene Rippen verursachen natürlich, daß bei gleichem Druck des Schnürleibs auf den ganzen Umfang der Brusthöhle doch die Wirkung in einer Hälfte um vieles beträchtlicher wird. Auch das Zusammenstoßen der Knorpel durch einen Fortsatz macht einen Unterschied zwischen der Wirkung der Schnürbrust auf die eine oder andere Hälfte, so auch das unsymmetrische Brustbein, so auch wenn sich nur auf einer Seite acht wahre Rippen finden, desgleichen die unsymmetrische Einlenkung der Rippen an der Wirbelsäule.

Ich will hier gar nicht des Falls erwähnen, den ich sehr häufig angetroffen und aufbewahrt habe, wo der knöcherne Teil einer Rippe aus irgend einer inneren Ursache an einer oder anderen Stelle weich wird. Man kann sich leicht denken, was hier wird geschehen müssen. Oder des Falls, wo 13 Rippen sich auf einer Seite finden, oder des Falls, wo ein verändert Eingeweide, Lunge, Herz oder Leber schon die Brusthöhle auf einer Seite umgeformt hat. Ferner, wenn das Rückgrad schon eine natürliche Krümmung auf eine Seite hat, wird diese notwendig durch die Schnürbrust noch verstärkt werden müssen. Man bedenke ferner, daß das Herz, welches das ganze Leben hindurch ohne wenige Sekunden zu ruhen, mehr in die linke als in die rechte Brusthöhle gehört.

Man bedenke, daß das Knochengerüst der Brust nun durch eine eigene Maschine (die Schnürbrust) weniger zu den nötigen Erweiterungen und Verengungen beim Ein- und Ausatmen fähig wird, folglich dafür dem Zwerchfell einen Teil seiner Verrichtungen übertragen muß. Man erinnere sich, daß der bloße stärkere Gebrauch der Muskeln eines Arms die Brusthöhle zu verziehen imstande ist, und stelle sich zu allem diesem nun noch vor, daß doch die Rippen nicht nur ernährt, ihre verdorbenen Teile weggeführt und durch frische ersetzt werden, sondern, daß sie bis ins 30. Jahr und drüber noch wachsen müssen. So wird man einsehen, daß die Verunstaltung bei anhaltendem Drücken der Schnürbrust nur zunehmen muß, weil die Natur gehindert wird, die Vermehrung der Masse und Stärke der Rippen dorthin anzubringen, wo sie es tun würde, wenn sie durch den Druck nicht gehindert würde. Sobald also eine Schnürbrust auf einer Seite die Brusthöhle zusammengepreßt, auf der anderen ausgedehnt hat, so kann nun durch fortgesetzte Anlegung der Schnürbrüste nichts weiter, als eine Vermehrung der Verunstaltung erfolgen, weil die schwache Seite immer mehr und mehr geschwächt und gepreßt, und die andere immer stärker verschoben wird. Das die Schnürbrust das Vor- und Rückwärtsneigen der Rückenwirbelsäule auch ihr Rechts- und Linksbiegen völlig hindert, und folglich auch hierdurch der Vollkommenheit des Leiber sich frei und leicht zu drehen und zu wenden Eintrag tut, bedarf wohl keines Beweises. Denn alle Schnürbrüste mindern, vermöge ihrer Länge und Stärke, die Beweglichkeit auch sogar der Lendenwirbel, vorzüglich aber der Rückenwirbel und dieser insbesondere just an der Stelle am meisten, wo sie doch die meiste Beweglichkeit zu haben bestimmt sind.

Ist die Schnürbrust so lang, daß sie auch die Hüften mit faßt, so ist sie noch schädlicher, sie drückt den sehr lange knorpelig bleibenden Rand der Darmbeine nach innen und verengt um soviel ansehnlicher die ganze Bauchhöhle. Ich bin verschiedentlich um Rat gefragt worden, wo man eine Hüfte durch eine Schnürbrust erhöht, die andere erniedrigt worden zu sein glaubte, allein in solchen Fällen war meist bloß die Brusthälfte über der höher scheinenden Hüfte, wegen stärkerer Ein- und Herauspressung der unteren falschen Rippen dieser Seite, beträchtlicher als die Brusthälfte unter der niedriger scheinenden Hüfte zusammengedrückt worden, und machte diese scheinbare Erhöhung. Eine andere Wirkung der Schnürbrüste ist, daß Kinder, auch ältere Personen, die stark und mehrere Jahre lang geschnürt worden, endlich ohne Schnürbrust nicht mehr bequem aufrecht stehen oder sich bewegen können, sondern, wie man sehr richtig sagt, zusammenfallen. Die Rippen nämlich haben an ihrer natürlichen Form und Lage gelitten, die Rückenmuskeln sind gelähmt worden, und können sich ohne Schnürbrust nicht einmal in der widernatürlichen Lage gehörig erhalten. Die Wirbelsäule ist nicht mehr gewohnt, die auf ihr, nicht bloß zum Ruhen, sondern auch zum Bewegen bestimmte Last des Körpers ohne fremde Unterstützung zu tragen, sinkt als unter selbiger nieder und beugt sich. Man wird nicht selten in Ländern, wo noch das Schnüren sehr Mode ist, Personen von 15-16 Jahren finden, die, sobald sie die Schnürbrust ablegen, ohnmächtig werden, und daher sogar damit zu schlafen verbunden sind. Sobald nämlich Brust und Unterleib durch die Ablegung ihrer gewohnten Unterstützung erschlaffet werden, stürzt das Blut nach unten, entleert die Kopfgefäße, und bringt Ohnmacht hervor.


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